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Fakten zum Thema Stromtrasse

Wer zahlt für die Trasse und wer kommt für mögliche Mehrkosten auf?

Durch Deutschland laufen insgesamt fast 1,8 Millionen Kilometer Stromleitungen. Doch um die Energiewende umzusetzen, reicht das nicht: Deshalb müssen rund 3800 Kilometer Leitungstrassen neu verlegt und auf weiteren 4000 Kilometern bestehende Netze ausgebaut werden. Die vier großen Übertragungsnetzbetreiber Amprion, Tennet, 50 Hertz und TransnetBW haben den Investitionsbedarf für den Netzausbau an Land in den nächsten zehn Jahren auf rund 20 Milliarden Euro geschätzt, hinzu kommen noch die Kosten für den Ausbau der Leitungen auf See.

Insgesamt werden die Kosten auf rund 40 Milliarden Euro geschätzt. Dafür gerade stehen muss der Stromverbraucher. Denn die Kosten für den Netzausbau werden über die Netzentgelte auf die Stromrechnungen der Verbraucher abgewälzt. Die Netzentgelte machen ein Viertel des Strompreises aus.

Warum ist die Trasse so umstritten und wer ist dagegen?

Die Gesellschaftliche Akzeptanz des Infrastrukturumbaus gilt als größter Flaschenhals bei der der Energiewende. Bei allen anderen geplanten Stromautobahnen wie der Ost-Süd-Trasse von Sachsen-Anhalt nach Bayern kam es zu heftigen Bürgerprotesten. Unzählige Bürgerinitiativen haben sich entlang der geplanten Trassen gegründet, teils liegen sie aber auch 50 bis 100 Kilometer vom Verlauf der Strom-Autobahnen entfernt.

Die Protestler haben unterschiedliche Beweggründe: Viele Anwohner fürchten durch die Masten eine Verschandelung der Umwelt und wollen die Idylle ihrer Landwirtschaft erhalten. Andere fürchten sich vor Elektrosmog. Kommunen wiederum sehen durch die Leitungen den Tourismus in ihrer Region bedroht. Umweltverbände warnen vor Belastungen für Umwelt und Tierwelt.

Experten und Politiker fordern zwar, die Proteste der Bürger ernst zu nehmen, weisen aber auch auf ihre Widersprüchlichkeit hin. “Man kann nicht für die Wind- und Solarenergie sein, aber gegen die Infrastruktur, die dafür gebraucht wird”, sagt Stephan Kohler von der Deutschen Energie-Agentur. “Wer die Energiewende will, muss auch die Trassen akzeptieren.”

Was können betroffene Bürger tun, um sich über die Trasse zu informieren?

Tennet lädt betroffene Bürger ein, an der öffentlichen Antragskonferenz teilzunehmen und “sich in die Diskussion einzubringen”. Die Konferenz wird im Laufe dieses Jahres stattfinden. Allerdings will der Netzbetreiber damit so lange warten, bis Unklarheiten zwischen der Bundesregierung und der bayerischen Landesregierung ausgeräumt sind.

Bayern fordert, den Ausbau der Trassen vorerst auf Eis zu legen, da sich durch die Reformpläne von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) bei der Ökostromförderung die Geschäftsgrundlage für den Ausbau der Stromnetze geändert habe. Allerdings hat Bayern den Umbauplänen selbst zugestimmt.

Warum fordert Bayern jetzt ein Trassen-Moratorium?

Das Moratorium, das die Netzbetreiber zwingen soll, bis zum Herbst alle Planungen einzustellen, hat vor allem taktische Gründe. Horst Seehofer will damit Zeit gewinnen. Dabei hat er nicht die große Nord-Süd-Trasse im Blick; diese soll ohnehin erst viel später kommen. Auch geht es nicht um die “Thüringer Strombrücke”, deren Planungen reichen noch in die Zeit vor der Energiewende zurück.

Es geht um eine 450 Kilometer lange Hochspannungstrasse von Sachsen-Anhalt nach Meitingen in Schwaben, für die die Planungen bereits intensiv betrieben werden. Auch hier sollen bis zu 70 Meter hohe Masten aufgestellt werden. Der Bürgerprotest ist schon jetzt gewaltig. Und Horst Seehofer hat im März Kommunalwahlen zu bestehen. Seine Bürgermeister, Landräte und Kreistagsabgeordneten fürchten um ihre Wählerstimmen. Das Argument, erst die Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes abwarten zu müssen, ist vorgeschoben.

Die Zeit, die Seehofer parteitaktisch gewinnt, verliert er beim Netzausbau. Seehofer kann den Stillstand dabei gar nicht erzwingen, denn der Beschluss zum Netzausbau beruht auf einem Bundesgesetz, dem er im Bundesrat zugestimmt hat. Ein Sprecher des Netzbetreibers Amprion sagte dieser Zeitung: “Wir werden erst einmal mit den Planungen weitermachen.”

 

Quelle: Die Welt vom 06.02.2014